Das Filmfest 2026 ist vorbei – was bleibt?
Autorin: Helen Kersley
Wunderschön organisiert, voller fabelhafter und abwechslungsreicher Filme – schade um das traumhafte Wetter, ich habe tatsächlich einige schöne Spätsommernachmittage verpasst!
Aber die Filme … Ich habe einfach viele wunderbare Filme gesehen, und wenn ihr meinen vorherigen Artikel gelesen habt, dann wisst ihr, wie ich zu Spoilern stehe. Was werde ich mir also erlauben, euch über die Filme zu erzählen?
Drei habe ich ausgewählt: Die ersten beiden, weil sie einfach das Beste am Filmfest hervorheben, den dritten dann einfach so.
„The Cycle of Love“ erzählt die wahre Geschichte eines in Indien geborenen Mannes, der aus Liebe die scheinbar verrückte Entscheidung traf, mit dem Fahrrad nach Norwegen zu fahren. Die Geschichte ist unglaublich und ich empfehle euch wärmstens, einen Abend damit zu verbringen, sie für euch zu entdecken. Wärt ihr während des Filmfestes bei der Vorführung dabei gewesen, hättet ihr auch die Gelegenheit gehabt, an einer Fragerunde mit dem Regisseur Orlando von Einsiedel teilzunehmen. Dort erfuhr ich, dass – abgesehen von den Hauptfiguren, die von Schauspielern in ihren jüngeren Jahren dargestellt wurden – die übrigen Rollen einfach aus indischen Bürgern oder Touristen besetzt wurde, die im Austausch für ein Porträt über ihr Leben und ihre Liebe sprachen. Glaubt mir: Wenn ihr den Film seht, werdet ihr genau verstehen, was ich meine!
Orlando von Einsiedel erklärte in der Fragerunde auch, wie er auf die Geschichte gestoßen ist und welche Teile davon letztlich gedreht wurden. Es ist ein echtes Geschenk, die Gelegenheit zu haben, all die Fragen zu stellen, die einem sonst noch im Kopf herumschwirren, wenn man das Kino verlässt.
Der Film kommt im April 2027 in die deutschen Kinos. Unbedingt vormerken!


„Everybody to Kenmure Street“ erzählt – der Titel deutet es bereits an – die Geschichte eines Aufrufs, sich in der Kenmure Street (in Glasgow) zu versammeln. Dort findet gerade eine Razzia der Einwanderungsbehörde statt. Es handelt sich um einen Dokumentarfilm, hauptsächlich aus existierenden Handyvideos derjenigen Menschen montiert, die damals dem Aufruf folgten. Der Film verfolgt chronologisch die damaligen Ereignisse dieses einen Tages und weckt starke Emotionen in Bezug auf Gemeinschaft und Solidarität.
Auch hier hatte ich das Glück, anschließend bei der Film-Diskussion mit dem Regisseur Felipe Bustos Sierra dabei gewesen zu sein. Dabei erfuhren wir, dass der Film mittlerweile sogar als erfolgreichster schottischer Dokumentarfilm gilt – kaum überraschend bei einem so gut konstruierten Werk. Der Erfolg ist aber möglicherweise auch darauf zurückzuführen, dass der Regisseur dank ihres Interesses an einem seiner früheren Filme persönlichen Kontakt zu Emma Thompson hatte und sie als eine von nur drei Darstellern im Film einsetzen konnte (sie sprach die Worte von Menschen, die im Film vorkommen, aber ihr Gesicht nicht zeigen wollten).
Die Einbindung einer so berühmten Schauspielerin hat die Reichweite des Films sicherlich erhöht. So erreicht man Menschen, die sich sonst vielleicht weniger für Einwanderungsfragen interessieren und hat damit den Effekt, dass man „vor dem eigenen Chor predigt“, ein wenig gemildert.
Leider kann ich euch noch nicht sagen, ob und wo ihr den Film finden könnt, da er hat in Deutschland bedauerlicherweise noch keinen Verleihvertrag hat. Aber bitte merkt euch den Namen unbedingt und schaut ihn euch an, wenn ihr die Gelegenheit dazu habt.



Und schließlich ist „Lügen über meine Mutter“ ein deutscher Film, der aktuell landesweit in den Kinos zu sehen ist. Leider konnte ich beim Filmfest nicht an der Fragerunde teilnehmen, aber er hat mir wunderbar gefallen, und da ihr ihn vielleicht schon heute Abend ansehen könnt, möchte ich ihn euch wärmstens empfehlen.
Es handelt sich um die Verfilmung des Bestsellers von Daniela Dröscher und erzählt eine Geschichte, die man normalerweise so nicht im Kino zu sehen bekommt. Es geht um Themen wie Körpergewicht und Patriarchat. Eine Geschichte, die auf so reizvolle Weise erzählt wird, dass sowohl ich als auch mein männlicher Begleiter den Film in vollen Zügen genossen haben.


Natürlich gilt bei meinen Ausführungen: Das sind nur einige der Filme, die mir während des Filmfestes gefallen haben. Es gab daneben noch viele weitere. Seid 2027 am besten selbst dabei. Es lohnt sich!