34. Hamburger Filmfest startet
Autorin: Helen Kersley
Es ist wieder so weit: Das Hamburger Filmfest steht vor der Tür – die mittlerweile 34. Ausgabe!
Hier bei „Pfadfinder“ verbindet uns eine lange Geschichte mit dem Filmfest Hamburg, die über 20 Jahre zurückreicht. Damals entdeckten wir zum ersten Mal die Vielfalt hochwertiger Filme aus aller Welt, die im Rahmen des Events in unsere Stadt kamen. Filme nicht nur für deutsche Zuschauer, sondern auch für Muttersprachler vieler Nationen, mit einer großen Bandbreite an Themen und Genres (natürlich mit Untertiteln).
Und genau darin liegt die Herausforderung: Bei so vielen Filmen im Angebot kann man natürlich nicht alle sehen, und so beginnt der heikle Balanceakt – die Auswahl der Filme, die man sich ansehen möchte.
Es ist dabei aus vielen Gründen eine komplizierte Angelegenheit: So gibt es Filme, die scheinbar alles bieten, was man sich wünschen könnte. Doch wenn man nach gut zwei Stunden aus diesem großen, fensterlosen Raum blinzelnd wieder die Straße betritt, kann man nicht so recht sagen, was eigentlich genau gefehlt hat – was einen wiederum ein wenig traurig über die verschwendete Zeit macht.
Und dann gibt es wieder andere Momente, in denen wir zunächst skeptisch den Saal betreten und eigentlich bereit sind, die Hauptsünde eines Kinogängers zu begehen – nämlich (falls nötig) schon vor dem Abspann zu gehen. Nur um uns dann an einen Ort der Schönheit entführen zu lassen oder auf einer Achterbahnfahrt durch eine Welt voller Abenteuer mitgerissen zu werden, die uns vor Ehrfurcht und Staunen den Atem rauben.

Welche Vorbereitungen können wir also treffen? Denn wir wollen sicherstellen, dass es weniger Fälle der ersten Art und viel mehr der zweiten gibt!
Das ist das Dilemma, mit dem wir uns jedes Mal konfrontiert sehen, wenn ein Filmfest vor der Tür steht. Bei einer so vielfältigen Filmauswahl – wie sollen wir da diejenigen Filme herauspicken, die uns gefallen könnten?
Und für mich persönlich kommt noch eine weitere Komplikation hinzu: Ich möchte vor dem Anschauen so gut wie nichts über einen Film wissen; ich möchte, dass sich die Geschichte so entfaltet, wie es sich der Regisseur vorgestellt hat – in ihrer ganzen Pracht und mit all ihren Überraschungen (und Schreckmomenten!). Ich bin von Natur aus sehr neugierig und schon der kleinste Hinweis kann zu Vermutungen und Spekulationen über den Inhalt des Films führen, wodurch ich am Ende zu viel weiß.
Ihr seht also mein Problem. Aber es gibt Hinweise, die mir helfen und nach denen ich Ausschau halte:
Erstens: Jeder Film, der bei einem anderen Filmfestival (Locarno, Cannes, Sundance usw.) einen Preis gewonnen hat, landet direkt auf meinem Stapel. Das ist ideal für mich – es ist ein Qualitätssiegel, das bedeutet, dass ich den Zauber nicht zerstören muss und mich völlig unvorbereitet auf den Film einlassen kann – herrlich!
Als Nächstes: Wer ist der Regisseur? Es gibt einige Regisseure, deren Filme mir schon früher gefallen haben und ich bin gespannt, was sie dieses Mal produziert haben. Das ist zwar etwas riskanter, aber meine Vorliebe dafür, vor einem Film nichts zu wissen, gibt den Ausschlag – und fast immer bin ich mit meiner Wahl zufrieden. Letztes Jahr hat mir diese Methode zum Beispiel „Amrum“ von Fatih Akın beschert – was für ein Juwel!
Ansonsten werde ich mich leider einfach etwas eingehender informieren müssen.
Glücklicherweise listet die Website des Filmfestivals alle Filme auf – mit detaillierten Informationen (darunter natürlich auch der Regisseur und alle gewonnenen Preise) und meist auch einem kurzen Vorschau-Clip. Das ist besonders nützlich für diejenigen unter euch, die nicht wie ich das Problem haben, gar nichts wissen zu wollen. Ich habe sogar schon von Leuten gehört, die fast alles wissen wollen, bevor sie ins Kino gehen – aber was ist das denn bitte für ein Wahnsinn?
Außerdem gibt es ein wunderbares Programmheft, das in allen teilnehmenden Kinos erhältlich ist. Darin könnt ihr euer eigenes Bewertungssystem aus Zahlen, Sternen und Kreuzen, umgeknickten Ecken oder was auch immer erstellen.
Dann gibt es noch die logistische Herausforderung: Die meisten Filme werden zweimal gezeigt, oft in verschiedenen Kinos. Wenn also eure beiden Lieblingsfilme an einem Tag zeitlich zusammenfallen, habt ihr mehrere Optionen.
Aber seid gewarnt: Wenn ihr wie ich dieses Event in vollen Zügen genießen und auf jeden Fall mehr als einen Film pro Tag sehen möchtet, ist sorgfältige Planung absolut erforderlich. Die Mitarbeiter des Filmfestivals achten sehr auf Pünktlichkeit, aber es kann trotzdem zu Pannen kommen und hinzu kommt die Ungewissheit, wie lange eine anschließende Fragerunde dauern könnte. Es kann passieren, dass du von den Antworten eines talentierten Regisseurs völlig gefesselt bist – und dann zeigt dir deine Uhr an, dass du nur noch fünf Minuten Zeit hast, um vom Cinemaxx zum Passage Kino zu gelangen, damit du den Beginn des nächsten filmischen Highlights nicht verpasst. Eine sorgfältige Planung ist also unerlässlich.
Jetzt wisst ihr eigentlich alles, was ihr wissen müsst – legt also los mit der Planung und freut euch darauf, von der Welt des Kinos verzaubert zu werden!